Großvoigtsberg
Von der Ortsgründung bis 1545
Die Geburtsurkunde des Ortes stammt aus dem Jahre 1224. Doch das ist keineswegs das Gründungsdatum. Seit 1197 währte ein Grenzstreit zwischen dem Kloster Altzella und dem Ritter von Nussin (Nossen). Es ging um ein Stück des Zellwaldes und einige Dörfer. Es liegen zehn Urkunden aus den Jahren 1197, 1223, 1224, 1228, 1254 und 1263 vor. Die wertvollste ist die von 1224.
Zunächst wird bewiesen, dass diese Dörfer schon vor Ausbruch des Streites 1197 bestanden. Weiter können wir annehmen, dass weder die Ritter von Nossen, noch das Kloster Altzella die Dörfer gegründet haben, denn sonst hätte man sich in diesem Streit darauf bezogen. Außerdem verbot eine bis 1208 bestehende Ordensregel der Zisterzienser den Mönchen die Anlage von Dörfern. Mithin dürften die genannten Dörfer schon vor der Klostergründung 1162–1175 bestanden haben. Ferner entnehmen wir dem Schiedsspruch von 1224, dass die Ritter von Nossen Urkunden des Bischofs Gerung besaßen, die sich auf diese Beweise bezogen. Da Bischof Gerung bereits 1170 starb, haben wir einen weiteren Beweis dafür, dass die Dörfer schon vorher bestanden haben. Wenn wir nun noch in Betracht ziehen, dass in der Urkunde über die Schenkung von 800 Hufen an das Kloster Altzella vom Jahre 1162 erwähnt wird, dass der Markgraf Otto der Reiche auf seine Kosten Lehnhufendörfer innerhalb dieses verschenkten Gebietes habe ausroden lassen, können wir den Zeitpunkt der Gründung unseres Ortes ziemlich genau festlegen. Die Gründung muss vor der Ausstellung der Urkunde 1162 erfolgt sein, aber nach dem Regierungsantritt des Markgrafen Otto. Innerhalb dieses eng begrenzten Zeitraums von sechs Jahren zwischen 1156 und 1162 dürfte also Großvoigtsberg entstanden sein. Eine frühere Gründung ist unwahrscheinlich, da einerseits der Text der Schenkungsurkunde dagegenspricht und andererseits die Region in diesem Zeitraum ziemlich gleichmäßig besiedelt wurde. Als Gründungsjahr wird 1159 angenommen, auf dieser Grundlage wurden in der Vergangenheit die Heimatfeste veranstaltet.
Eine Dorfgründung erfolgte etwa folgendermaßen: Der Feudalherr beauftragte einen Siedlermeister (locator), aus dem Westen Deutschlands Siedler heranzuführen. Dort hatten sich durch zahlreiche Erbteilungen bei großem Kinderreichtum der Bauern Kleinbetriebe entwickelt, die wenig Ertrag abwarfen. Drückend lagen Abgaben und Verpflichtungen auf den Bauern. Daher fanden sich viele für die Umsiedelung nach dem Osten bereit. Der Siedlermeister bevorzugte bei seiner Auswahl junge, gesunde Familien. Viele nachgeborene Bauernsöhne konnten zwar von ihren Eltern kein Land erhalten, wohl aber eine Abfindung, ein Erbteil aus Ackergeräten, Vieh, Saatgut und anderen brauchbaren Dingen bestehend. Der Siedlermeister war meist im späten Herbst nach Westen gereist, hatte im Winter seinen Treck zusammengestellt, und im zeitigen Frühjahr zog man mit Hab und Gut in die neue Heimat. Der Platz für das neue Dorf war vorher ausgewählt und abgesteckt worden. Wir sehen in unserer Gegend eine ganz systematische Anlage der Dörfer Augustusberg, Obergruna, Großvoigtsberg, Großschirma, Tuttendorf, Weigmannsdorf, Helbigsdorf usw. in den linken Nebentälern der Freiberger Mulde. Ähnliches kann man auf der rechten Muldenseite oder an anderen Flüssen verfolgen. Das Nebental führte einen Bach, dem das für Mensch und Vieh so notwendige Wasser entnommen werden konnte. Zu beiden Seiten des Baches lagen die abgesteckten Flurstücke bzw. Grundstücke, die so genannten Hufen. Dort bauten die Siedler ihre Höfe. In Richtung des noch ungerodeten Waldes lief ihr Ackerstreifen und dort am Waldrand begann dann die Rodetätigkeit, dort wurden die Streifen im Laufe der Jahrhunderte immer weiter in den Wald vorgetrieben, bis die Grenze der Ortsgemarkung erreicht war.
1545 bis zur Gegenwart
Mit Einführung der Reformation und der Säkularisierung des Klosters Altzella kam Großvoigtsberg zum Amt Nossen, wurde jedoch 1555 vom sächsischen Kurfürsten Moritz seinem Kanzler Ullrich von Mordeisen für treue Dienste als Lehen übereignet. Aus dessen Erbe kam es an den Kurfürsten Christian I., wodurch es um 1590 als Amtsdorf wiederum bis 1856 im kursächsischen bzw. königlich-sächsischen Amt Nossen gehörte. In Großvoigtsberg wurden 1669–1709 Hexenverfolgungen durchgeführt: Fünf Personen gerieten in Hexenprozesse, ihr Schicksal ist unbekannt.
Ab 1856 gehörte der Ort zum Gerichtsamt Nossen und ab 1875 zur Amtshauptmannschaft Freiberg. Durch die zweite Kreisreform in der DDR kam Großvoigtsberg im Jahr 1952 zum Kreis Freiberg im Bezirk Chemnitz (1953 in Bezirk Karl-Marx-Stadt umbenannt), der ab 1990 als sächsischer Landkreis Freiberg fortgeführt wurde.
Zum 1. März 1994 wurde Großvoigtsberg nach Großschirma eingemeindet.
Der letzte Bürgermeister war Hans-Georg Striegler von 1990 bis 1994.
Die ältesten vorhandenen Unterlagen über Bergbau in Großvoigtsberg stammen aus dem 18. Jahrhundert. Er erfolgte zuerst in Eigenlehnerzechen. Diese Gruben wurden dann oft als Familienunternehmen betrieben. Solche Eigenlehnerzechen bestanden in Groß- und Kleinvoigtsberg in den Jahren:
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Nehmen wir doch mal an unsere Vorfahren stammten vom Vogelsberg in Hessen, so können wir eine bedeutende Ähnlichkeit in der Schreibweise erkennen, denn unser Ortsname tritt in Urkunden wie folgt auf:
- 1224: minor Vogilsberg (Kleinvoigtsberg)
- 1382: von dem Vogilsberge
- 1447: Voelsberg
- 1482: Foilsberg
- 1530: Groß Voytsbergk
- 1544: Groß- und Kleinvoigtsberg
Die Bedeutung des Namens kann als Bergsiedlung mit reichem Vogelflug angegeben werden. Die Namen Vogilsberg und Minor Vogilsberg lassen erkennen, dass Großvoigtsberg das ältere ist. Aus der Dorfanlage und der kleinen Gemeindeflur von Kleinvoigtsberg kann man schließen, dass dieser Ort nicht bei der großen Besiedelung unserer Gegend angelegt wurde, sondern erst einige Jahrzehnte später vielleicht als Restrodung entstanden ist, wobei die Ortsgründer durchaus nicht vom Vogelsberg stammen brauchen, da der Ort am Rande von Großvoigtsberg entstand, kann er von diesem den Namen angenommen haben. Zusammenfassend können wir von der Gründung des Ortes Großvoigtsberg mit ziemlicher Bestimmtheit annehmen, dass hessische Siedler in der Zeit von 1156 bis 1162 unseren Ort als Waldhufendorf im Auftrag und mit Unterstützung des Markgrafen Otto gründete.
| 1159 | Gründungsjahr von Großvoigtsberg |
| 1224 | Ortsname laut Urkunden Vogilsberg |
| 1382 | erste Namensänderung: von dem Vogilsberge |
| 1447 | zweite Namensänderung: Voelsberg |
| 1482 | dritte Namensänderung: Foilsberg |
| 1540 | vierte Namensänderung: Amtsdorf vom Amt Nossen |
| 1587 | fünfte Namensänderung: Großen Voigtsbergk |
| 1664 | erstes Schulgebäude in Großvoigtsberg |
| 1670 | ältester Abdruck des Dienstsiegels |
| 1745 | Errichtung eines Pochwerks mit Erzwäsche |
| 1802 | Großvoigtsberg erhält eine neue Schule |
| 1849 | Gründung eines Arbeitervereins in Großvoigtsberg |
| 1857 | Gründung eines Männergesangsvereines |
| 1884 | Bau der heutigen Schule in Großvoigtsberg |
| 1919 | Gründung einer SPD-Ortsgruppe in Großvoigtsberg |
| 1924 | Gründung eines Samaritervereins |
| 1934 | 50 jähriges Jubiläum der Schule in Verbindung mit dem Heimatfest |
| 1941 | Gründung der Freiwilligen Feuerwehr |
| 1957 | der Volkschor wird 100 Jahre |
| 1959 | Großvoigtsberg wird 800 Jahre alt |
| 1974 | Gründung des Jugendclubs im Gasthof "Lindenhof" |
| 1984 | Großvoigtsberg wird 825 Jahre alt |
| 1992 | Gründung der Jagdgenossenschaft |
| 1994 | Großvoigtsberg wird nach Großschirma eingemeindet |
| 1994 | Gerhard Urbansky ist neuer Bürgermeister |
| 1996 | Eröffnung Zellwald-Center |
| 2004 | Volkmar Schreiter wird Bürgermeister der Stadt Großschirma |
| 2005 | Schließung der Grundschule |
